Endstation Belalp„Ja, ja, der McGregor ist auch einer von denen, die es nicht lassen können. Ein Berggipfel um den andern. Primitive Rauferei. Sollte mich nicht wundern, wenn der eine oder andere in dieser Rauferei draufgeht. Sie kennen keine Grenzen, wenn es darum geht, den eigenen Ruf zu retten. Und wie ich höre, sind sie gerade in eine elende Konkurrenz verwickelt.“
„Wer?“
„Na, der James und der Zenger. Das weiss doch jeder. Und ich habe mitbekommen, wie der Zenger im Speisesaal plagiert, jetzt werde er das Matterhorn als Erster bezwingen, noch in diesem Sommer, weil James jetzt ausfalle.“

Sagt der romantische Bergmaler Edouard Seagull im Verhör. Tatsächlich fällt Professor James McGregor ganz aus. Der Stammgast des Hotels Belalp liegt im Sterben – Opfer einer Medikamentenverwechslung. Hat
seine Frau Penelope unabsichtlich einen Missgriff gemacht? Oder wollte Joachim Zenger seinen Konkurrenten um die so ehrgeizig angestrebte Erstbesteigung des Matterhorns aus dem Weg räumen? Alle, Gäste und Personal, sind verdächtig, die sich auf dem Sonnenbalkon oberhalb von Brig anfangs August 1862 aufhalten. Mirjam Britsch, geborene Oberwalliserin, heute in Zug wohnhaft und als Personalberaterin in Zürich arbeitend, hat mit „Endstation Belalp“ einen klassischen Kriminalroman geschrieben, der geschickt den aufkommenden Alpinismus und Tourismus jener Zeit einbindet. Die Figuren sind fiktiv, aber das Opfer erinnert stark an John Tyndall, der sich regelmässig im Hotel Belalp einquartierte und mit seiner Frau die Villa Tyndall bauen liess. Und wem gleicht der unsympathische Zenger? Edward  Whymper natürlich. Ausschnitt aus dem Verhör der Saaltochter Vreni Weissenfluh durch den Dorfpolizisten Kamil Jeitziner: „Also Vreni, der Zenger ist dir noch weniger lieb, wenn ich dich richtig verstehe?“ „Dem könnte ich den Kopf umdrehen. Wenn ich ihm serviere, stelle ich mir immer vor, er sei ein Schwein, das ich füttere. Dann geht es.“



Mirjam Britsch: Endstation Belalp. Historischer Bergkrimi. Xanthippe Verlag, Zürich 2009, Edition Aspasia. Fr. 34.-

 

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